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Trainer in der Defensive - Beim DOSB läuft eine Offensive, aber an der Basis werfen (Schwimm-)Trainer das Handtuch

Leipzig. Wenn bei den Olympischen Sommerspielen in London oder 2016 in Rio wieder gerätselt wird, warum Deutschland in den Kernsportarten kaum Medaillen holt, steht die Antwort womöglich schon jetzt fest. Während der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit einer Trainer-Offensive daran arbeitet, diesem Berufsstand mehr Anerkennung zu verschaffen, werfen an der Basis die Kollegen das Handtuch. In Leipzig in diesem Jahr zum Beispiel die ehemaligen Weltklasse-Schwimmer Sabine Krauß-Herbst und Jirka Letzin. Statt in der Offen- sehen sie sich in der Defensive. Es herrscht Alarmstufe Rot am Beckenrand.

Für Sabine Krauß, Olympiavierte und mehrfache EM-Medaillengewinnerin in den 90er Jahren, gab es nie einen Zweifel: Nach ihrer Karriere wollte sie ihre Erfahrungen an junge Talente weitergeben. Auch nach Tausenden Kilometern im 50-m-Becken brannte die zweifache Mutter weiter für den Leistungssport. In diesem Sommer gab die 37-Jährige als Trainerin auf, sie wechselte als Sport- und Schwimmlehrerin an die Grundschule Engelsdorf. „Ich war mit Leib und Seele Trainerin. Aber ich brauche einen sicheren Job, ich sah in dem Beruf keine Perspektive für mich.“ Die ständige Befristung ihrer Verträge, meist für ein Jahr oder gar nur sechs Monate, habe an ihr gezehrt. Die Arbeitszeiten seien alles andere als familienfreundlich: „Als ich mit meinem Mann die Steuererklärung gemacht habe, stellten wir fest, dass wir in einem Jahr als Familie nur vier gemeinsame Wochenenden hatten.“ Wenn sie nach 19 Uhr vom Training kam, musste Töchterchen Johanna gerade ins Bett, die Sechsjährige war auf dem Weg zum Papa-Kind. Dass die Bezahlung eher bescheiden ausfiel, eine Anerkennung für die Arbeit meist ausblieb und ein Wechsel ans Sportgymnasium scheiterte, waren weitere Argumente, den Beruf aufzugeben.

Das Trainer-Gehalt war auch für Jirka Letzin, Olympia-Achter von Sydney, auf Dauer nicht akzeptabel. Obwohl ihm der Sächsische Schwimm-Verband (SSV) Trainerjobs in Chemnitz, Dresden und Leipzig anbot, war er unter den gebotenen Bedingungen nicht mehr bereit, sich morgens, abends und an den Wochenenden an den Beckenrand zu stellen. Vom pädagogischen Auftrag her stellt er Trainer mit Lehrern auf eine Stufe. „Lehrer sind besser bezahlt. Und wenn sie Freitagmittag nach Hause gehen, fahren wir bis Sonntagabend zum Wettkampf.“

SSV-Präsident Wolfram Sperling zeigt Verständnis für seine ehemaligen Trainer: „Das sind fachlich und pädagogisch hochqualifizierte Leute. Sie tragen Verantwortung für Eliten der Gesellschaft.“ Sie seien häufig Elternersatz, Arzt, Physio, Seelsorger. „Doch die Realität ist, dass sie gering bezahlt sind, die Verträge sind in den seltensten Fällen unbefristet. Die Trainer stehen unter enormem Erfolgsdruck, ihre Weiterbeschäftigung und ihr Gehalt hängen von den Ergebnissen der Sportler ab. Und sie müssen sich auf gut Deutsch von Eltern und Vorständen anpissen lassen.“ Sperling ist Hochschul-Dozent an der Leipziger Sportfakultät und erlebt dort Jahr für Jahr, dass kaum noch ein Sportstudent mit dem Berufsziel Trainer beginnt. Fitness- und Rehasport sowie Sportmanagement haben dem Leistungssport an der ehemaligen DHfK den Rang abgelaufen, auch wenn die Fakultät dem Trend entgegenzuwirken versucht.

Als Verbands-Präsident müsste er eigentlich zwei, drei Trainerstellen streichen, um seine Leute angemessen zu bezahlen. Mit jährlich 80 000 Euro weniger musste sein Verband auskommen, seit 2008 mit Stefan Herbst nur ein sächsischer Schwimmer in Peking dabei war. Nach Olympia kürzten Bund, Land und Stadt die Fördermittel, private Geldgeber fand der SSV nicht. Der Bundesstützpunkt in Leipzig, drei Landes- und fast 20 Talentstützpunkte müssen mit 300 000 Euro Landesmitteln klarkommen, hinzu kommen knapp 100 000 Euro eigene oder kommunale Gelder. In Sachsen-Anhalt, weiß Sperling aus sicherer Quelle, würden die Trainer rund 700 Euro im Monat mehr verdienen. Was nicht nur an den Medaillen von Paul Biedermann liege.

Jirka Letzin jedenfalls ist überzeugt: „Für 300 000 kann man sich keine Olympiamedaille kaufen. Außerdem frage ich mich: Wieso fordert der Landessportbund Olympiamedaillen? Es handelt sich doch um Bundeskader, die vom Bund gefördert werden müssten.“ Seiner Meinung nach wolle die Gesellschaft gar keinen Leistungssport: „Wir alle gucken zwar im Fernsehen gerne Olympia und meckern über fünfte oder neunte Plätze. Aber investieren will niemand.“

Der 40-Jährige ist überzeugt, dass Weltklasse-Leistungen wie von Britta Steffen oder Paul Biedermann auch in Sachsen möglich sind: „Von der Infrastruktur her haben wir sehr gute Bedingungen. Aber schöne Schwimmhallen und Strömungskanäle können auch andere bauen. Zu den Rahmenbedingungen gehört mehr.“ Er glaubt, dass die Klubs die Beiträge drastisch anheben müssen, um Leistungssport finanzieren zu können. Doch in Sportvereinen sind Monatsbeiträge von zehn, zwölf Euro keine Seltenheit. Für diejenigen, die häufig zum Training gehen, macht das nicht einmal 50 Cent pro Einheit. Für eine Tennis- oder Klavierstunde oder den Nachhilfe-Lehrer würden die Familien auch wesentlich höhere Tarife zahlen. Letzin hat sich mit Hilfe des IAT in der Analyse der Schwimmtechnik selbstständig gemacht (www.schwimmanalytik.de) - er bietet dies der zweiten Reihe ebenso an wie Triathleten, Fünfkämpfern oder Masters-Athleten.

Auch in Dresden hat in diesem Jahr eine echte Power-Frau als Trainerin aufgehört. Sabine Krauß’ Freundin Brit Lögow, die nach ihrem Studium in Leipzig als Trainerin zunächst nach Berlin ging, arbeitete zuletzt an der Wiederbelebung des Schwimmsports der Landeshauptstadt. Und das mit Erfolg. Stand das Sportgymnasium Dresden jahrelang im Schatten von Leipzig, überragten die Talente von der Elbe beim diesjährigen Bundesfinale „Jugend trainiert für Olympia“ mit zwei Titeln und einem zweiten Platz. Viereinhalb Jahre habe sie in Dresden geackert: „In dieser Gesellschaft wird dir nichts geschenkt. Für alles musst du selbst losrennen. Aber was ich in Berlin in einem Monat geschafft habe, dazu brauchte ich in Dresden ein Jahr - und wenn es nur um eine Turnhalle fürs Athletiktraining geht.“ Im Sommer wechselte sie an die Erich-Zeigner-Grundschule nach Leipzig-Plagwitz.

Die 39-Jährige glaubt, der Trend werde sich fortsetzen, dass Talente nach Stipendien an US-Universitäten streben: „Es können ja nicht alle zur Bundeswehr-Sportfördergruppe gehen.“ Die guten Bedingungen an den hiesigen Sportschulen führten hier und da zur Verweichlichung der Kinder. „Viele nutzen das Training als Ausrede für schlechte schulische Leistungen oder umgekehrt.“ Hinzu kommen hausgemachte Probleme beim SSV, wo nicht nur sie fehlende Wärme und ein ungenügendes Miteinander beklagt. Wenn Trainer zudem zum Spielball unzufriedener Eltern werden, vermissen sie die Rückendeckung des Verbandes.

Gibt es sie aber tatsächlich, die Trainer-Offensive? „Ich spüre davon nichts“, sagt Wolfram Sperling. Jirka Letzin findet es absolut richtig, dass sich der DOSB um das Thema kümmert: „Ich selbst habe im Rahmen der Trainer-Offensive mal vor längerer Zeit einen Fragebogen ausgefüllt.“ Danach habe er nie wieder etwas davon gehört.

Autor: Frank Schober
Quelle: LVZ, 2011-12-23




SSG-Schwimmer Sikatzki und Horn überzeugen international

Für die Junioren-Auswahl des Deutschen Schwimmverbandes ging es am vierten Advent nach Maribor (Slowenien) zum internationalen Langbahn-Meeting. Philipp Sikatzki von der SSG Leipzig überzeugte mit seinen Leistungen auf ganzer Ebene. Mit dem Sieg über 50 m Rücken, dem zweiten Rang über 200 m Lagen, den zwei dritten Plätzen über 50 m Schmetterling und 100 m Rücken und dem vierten Platz über die 200 m Rücken (jeweils in der offenen Klasse) wurde der 17-Jährige der erfolgreichste Athlet der Veranstaltung. Mit seiner Zeit über 50 Rücken (26,91 s) brach er den Hallenrekord und blieb unter dem slowenischen Altersklassenrekord des Jahrgangs 94. „Ich bin sehr zufrieden und selber überrascht, dass am Jahresende noch so gute Zeiten rausgekommen sind“, sagte der deutsche Jahrgangsmeister.

Eine Woche zuvor nahm sein SSG-Teamkollege Tobias Horn am Internationalen Wettkampf auf der Kurzbahn in Portland (USA) teil. Der 18-Jährige erreichte mit der 4x200 m Freistilstaffel Gold. Im Einzelrennen über 200 m Freistil erziehte er im Finale den vierten Platz in starken 1:49,67 min. In den Finals über 400 und 100 m Freistil erreichte er die Plätze sechs und acht.

Autor: Redaktion
Quelle: LVZ, 2011-12-20




Dresdner Stollen für Leipziger Schwimmer

Zum 21. Mal fand am Wochenende das Dresdner Christstollen-Schwimmfest statt, bei dem die Leipziger Vereine sehr gut abschnitten. Für jeden Altersklassensieg erhielt der Sportler jeweils eine Christstolle. Insgesamt 53 Stück des originalen Dresdner Backwerkes erschwammen die Leipziger Athleten. Besonders präsent war bei den Mädchen Michelle Zehmisch (Post SV) die im Jahrgang 2000 mit sechs Stollen. Bei den Jungen stachen vor allem Tommi Wolst (Jahrgang 96) mit vier und Tobias Horn (offene Klasse) mit drei Siegen hervor.

Autor: Ros
Quelle: LVZ, 2011-12-20




Stefan Herbst schwimmt Senioren-Weltrekorde

Eine Woche nach der Kurzbahn-EM in Stettin nutzte SSG-Schwimmer Stefan Herbst den Ausflug mit seinen Kumpels nach Kiel für einen eher lockeren Masters-Wettkampf. Der 33-Jährige nutzte seine gute Form für zwei Senioren-Weltrekorde in der AK 30: Über 200 m Freistil schwamm er 1:46,52 min, über 100 m Schmetterling 52,63 s. Um zwölf Hundertstel verpasste er die Weltbestmarke über 100 m Lagen (55,12), hinzu kam eine persönliche Bestzeit über 50 m Brust (29,34). Im Januar setzt er die Olympia-Vorbereitung auf Lanzarote fort.

Autor: Frank Schober
Quelle: LVZ, 2011-12-19




Schwimmer mit goldenem Schlussspurt - Steffen und Biedermann holen Kurzbahn-EM-Titel / Auch Hallenserin Michalak stark

Die deutschen Schwimmer bleiben dank eines goldenen EM-Schlussspurts die Kurzbahn-Könige Europas. Angeführt von der wiedererstarkten Britta Steffen und Erfolgsgarant Paul Biedermann, die zusammen fünf Titel gewannen, holte Deutschland sieben Goldmedaillen in Stettin. Im Sog des Paares standen auch zwei Jüngere auf dem obersten Treppchen: Neben Theresa Michalak (Halle) über 100 m Lagen gewann auch Silke Lippok. Die 17-jährige Pforzheimerin feierte über 200 m Freistil ihren ersten Frauen-Einzeltitel.

Britta Steffen holte nach ihrem sommerlichen WM-Desaster neben den 100 m und der Freistil-Staffel in 24,01 s auch den Titel über 50 m Freistil. „Ich bin total zufrieden, bin bestätigt worden in dem, was ich umgestellt habe“, sagte sie. Den goldenen deutschen Sonntag begann Silke Lippok. In 1:54,08 min verpasste sie ihren deutschen Rekord nur um zwölf Hundertstel und sagte: „Da einige nicht dabei waren, muss man auf dem Teppich bleiben und nicht denken, man muss bis Olympia nichts mehr tun.“

Biedermann setzte auf seine Stärke auf der letzten Bahn. Der Weltrekordler schlug über 200 m Freistil in 1:42,92 min als Erster vor dem Italiener Filippo Magnini an. „Es war wichtig für mich, nach dem letztem Jahr den Titel über die 200 zurückzuholen“, sagte Biedermann. „Jetzt bin ich platt, das war ein hartes Jahr.“

Die Goldmedaille von Theresa Michalak war am Wochenende am wenigsten erwartet worden. Die 19-Jährige aus Biedermanns Heimatstadt Halle gewann die 100 m Lagen. In 59,05 s verbesserte die EM-Dritte des Vorjahres um fünf Hundertstel den zwei Jahre alten deutschen Rekord von Britta Steffen aus der Ära der Hightech-Anzüge. Mit ihrer ersten internationalen Goldmedaille um den Hals sparte sie nicht mit klaren Ansagen, am Morgen danach war die 19-Jährige aber kleinlaut. „Da wird mir Herr Embacher einen Einlauf verpassen“, sagte sie gestern nach dem Vorlauf-Aus über 400 m Lagen. Der Titel über die 100 m Lagen hatte sie den Abend zuvor euphorisiert: „Ich denke, das war sensationell von mir. Jetzt weiß man, dass auch eine Theresa Michalak im deutschen Schwimmsport existiert, nicht nur Britta oder Paul.“

Trainer Frank Embacher nahm die kecken Worte grinsend zur Kenntnis, Michalaks Selbstbewusstsein war nach der verpassten WM im Keller. Ihren EM-Coup wollte er nicht zu hoch jubeln. In London sind die 100 m Lagen nicht olympisch. Ihr Sport spielt auch in Michalaks Privatleben die entscheidende Rolle. Sie kommt aus einer Schwimmer-Familie und ist die Freundin von Embachers Sohn, dem Schmetterling-Meister Toni. Die Familien fahren auch zusammen in Urlaub.

Die Lagen-Staffel der Frauen wurde disqualifiziert. Jenny Mensing, Dorothea Brandt, Doris Eichhorn und Britta Steffen schlugen zwar als Dritte an, doch es wurde ein Wechselfehler von Eichhorn moniert - sie hatte es beim Start zwei Hundertstelsekunden zu eilig.

Besser lief es für das 4x50-m-Freistil-Quartett der Männer mit dem Leipziger Stefan Herbst. Hinter den Italien, Russland und Belgien schlugen die DSV-Krauler als Vierte an. Herbst war in 21,51 s hinter Steffen Deibler der zweitschnellste deutsche Kraulsprinter. Alle drei Wechsel waren solide, aber ohne zu großes Risiko. Am Ende verpasste die Staffel das Treppchen recht deutlich um sieben Zehntelsekunden. „Wir sind aber auch nicht in Bestbesetzung geschwommen“, sagte der Leipziger: „Von den besten Vier der deutschen Meisterschaften fehlten zwei.“ Unterm Strich bringt der 33-Jährige Bronze mit der Lagenstaffel nach Hause. Und über 50 m Rücken schlug er im Finale als Achter an. Nun gilt es für den dreifachen Olympiateilnehmer bis zur London-Qualifikation im Mai, sich wieder an die 100 und 200 m Freistil heranzupirschen.

Autor: Frank Schober
Quelle: LVZ, 2011-12-13




Schwimmer gut in Form unterm Tannenbaum

Der Weihnachtsmann schaute vom Beckenrand zu: Zum traditionellen „Schwimmfest unterm Tannenbaum“ wetteiferten die Nachwuchshoffnungen in der Uni-Schwimmhalle. Die Leipziger überzeugten vor allem am dritten Advent. Immerhin siebenmal schafften es die jungen Athleten in den Gesamtwertungen unter die ersten Drei.

Einmal mehr überzeugte der Chemnitzer Justin Speer, der die Gesamtwertung im Jahrgang 1999 mit großem Vorsprung gewann. Mit viermal Gold und einmal Silber wurde Michelle Zehmisch vom Post SV die erfolgreichste Sportlerin der Veranstaltung. Bester Lokalmatador wurde mit zweimal Gold und zweimal Silber Colin Jeremy Pfeiffer von Lok Mitte. In den Einzelwertungen erreichten die Leipziger Vereine insgesamt 16 Mal Gold, 18 Mal Silber und 15 Mal Bronze. „Wir können mit den Leistungen sehr zu- frieden sein“, resümierte Stützpunkttrainerin Kathleen Saborowski.

Die Ersten in der Gesamtwertung qualifizierten sich für ein Trainingslager in den Osterferien. Dort bereiten sich die Schwimmer auf den jeweiligen Saison-Höhepunkt vor. Dieser ist für die Sportlerinnen und Sportler im Jahrgang 1999 der Deutsche Jugendmehrkampf beziehungsweise für die Altersklassen 2000 und 2001 der Süddeutsche Jugendmehrkampf.

Bei der Ehrung der Talentstützpunkte des Jahres waren die Leipziger Vereine gut im Bilde: Der SSV Leutzsch und der Post SV kamen hinter dem siegreichen SC Chemnitz auf die Plätze zwei und drei.

Autor: Robert Sikatzki
Quelle: LVZ, 2011-12-13




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